SPEICHERKINO
FR 17.04.2026 | 19:30 UHR | 8 €
AMRUM – nach Hark Bohms Bestseller
AMRUM nach Hark Bohms Bestseller unter der Regie von Fatih Akin
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Der Hamburger Filmregisseur Hark Bohm verbrachte als Kind die letzten Kriegsmonate auf der Nordseeinsel Amrum. Seine Eltern waren überzeugte Nazis, und noch später hat er darunter gelitten, dass sie überzeugte Hitler-Anhänger waren. Diese Erfahrung bildet die Grundlage für den Spielfilm “Amrum”, angelehnt an Bohms Kindheitserinnerungen: Im Mittelpunkt steht ein Junge namens Nanning, der in den letzten Kriegsmonaten auf der Insel lebt, zwischen Einheimischen, die auf das Kriegsende hoffen und seiner fanatischen Mutter. Eigentlich wollte Bohm selbst Regie führen, doch aus Altersgründen übergab er das Projekt an seinen Freund Fatih Akin. In Cannes wurde “Amrum” gefeiert, dann beim Hamburger Filmfest, und seit Oktober läuft er in den Kinos. Den Kinostart erlebte Bohm noch, bevor er am 14. November verstarb. (NDR-Kulturjournal)
Ein historisches Coming-of-Age-Drama im Jahr 1945 – das klingt zunächst nicht nach dem klassischen Terrain von Fatih Akin, der sich in seiner Filmografie sonst meist mit zeitgenössischen Milieus, Migrationserfahrungen und gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzt. Doch „Amrum“ ist mehr als nur ein weiterer Film in seiner Laufbahn: Es ist ein Spätwerk, das aus einer jahrzehntelangen persönlichen und künstlerischen Verbindung zweier Regisseure hervorgegangen ist und in gewisser Weise den Abschluss einer gemeinsamen Wegstrecke markiert. Ausgangspunkt sind die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm, jener prägenden Figur des Hamburger Autorenkinos, der die Strukturen der bundesdeutschen Filmkultur seit den 1970er-Jahren maßgeblich beeinflusst hat – als Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler, Filmdozent und institutioneller Netzwerker.
Vor der Kulisse der titelgebenden nordfriesischen Insel erzählt Fatih Akins Hommage-Film an seinen Freund und Mentor Hark Bohm eine klassische Coming-of-Age-Geschichte über Reifung, Schuld und die Suche nach Orientierung in der Übergangszeit zwischen Kriegsende und Neubeginn. Dabei streift „Amrum“ seine politische Ausgangslage nur am Rand und konzentriert sich stattdessen radikal auf die Innenperspektive eines Kindes. Im Zentrum steht der Junge Nanning, dessen scheinbar banales Ziel – für seine Mutter ein Weißbrot mit Butter und Honig zu organisieren – zur Chiffre für Verantwortung, Solidarität und moralische Bewährungsproben wird. Akin nutzt die Suche nach den dafür notwendigen Zutaten als dramaturgisches Gerüst, um Nanning mit unterschiedlichsten Figuren zu konfrontieren. Die strukturierende Idee einer episodischen Odyssee durch die Inselgemeinschaft – von Tauschgeschäft zu Tauschgeschäft, von Begegnung zu Begegnung – verleiht „Amrum“ einen fast märchenhaften Anstrich. Das ist reizvoll, weil es eine rhythmische Leichtigkeit erzeugt und den humanistischen Kern der Geschichte herauskristallisiert. (Der Film Journalist)

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