Filmpremiere am Freitag: "Küstenleben" zeigt vielfältige Stationen in Cuxhaven. Foto: Wehr

Kamera an, Küste im Blick: Jugendliche entdecken Cuxhaven

Cuxhaven. Eine Fischpizza aus Knetmasse, spannende Geschichten aus Hafen, Watt und Stadt und ein tierischer Kriminalfall im Wernerwald: Der Film „Küstenleben“ zeigt Cuxhaven aus einer ungewöhnlichen Perspektive – durch die Augen junger Menschen. Jetzt feierte der 36-minütige Streifen im Künstlerhaus im Schlossgarten Premiere und soll in Kürze veröffentlicht werden, sodass alle Interessierten „Küstenleben“ bewundern können. Entstanden ist der Film während eines Ferienworkshops des Jugendmigrationsdienstes des Paritätischen Cuxhaven und Johan Robin und Anja Tchepets von ATELIER-film-mobil Berlin, bei dem 20 Jugendliche im Alter von 11 bis 21 Jahren gemeinsam Cuxhaven erkundeten. Die Gruppe war dabei so vielfältig wie das Programm: Jugendliche aus dem Iran, Somalia, Afghanistan, Syrien, der Ukraine, Deutschland, Ruanda und Guinea gingen gemeinsam auf Entdeckungstour. Mit Kameras, Zeichnungen, Trickfilmen und Animationen hielten sie fest, was Cuxhaven ausmacht. Dabei entstanden nicht nur kreative Beiträge, sondern auch viele Gespräche, neue Freundschaften und ein lebendiger Austausch über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg

Bei der Premiere am Freitagabend war der Raum im Künstlerhaus gut besucht: Workshop-Teilnehmende und zahlreiche Interviewpartner, die im Film selbst zu sehen sind, waren gekommen. Lang anhaltender Applaus zeigte, wie gut das Ergebnis beim Publikum ankam.

Eine Reise durch das maritime Cuxhaven

Moderiert wird der Film von Zahid Salim und Iryna Batura, die das Publikum gekonnt durch die verschiedenen Stationen führen. Bilder, Präsentationen und Interviews mit Expertinnen und Experten wechseln sich ab und ergeben ein abwechslungsreiches Bild vom Leben an der Küste. Im Museum Windstärke 10 spricht die ehemalige Leiterin Dr. Jenny Sarrazin über die Hochseefischerei. Bootsbauer Rainer Schlimme erzählt von seinem Handwerk und den Jahren, die er gemeinsam mit seiner Frau auf einem selbst gebauten Boot unterwegs war. Frank Dierks, Zweiter Ältermann der Lotsenbrüderschaft Elbe, gibt Einblicke in die wichtige Arbeit der Lotsen.

Auch das Feuerschiff Elbe 1, die „rote Lady“, gehört zur filmischen Entdeckungsreise. Vereinsvorsitzender Eberhard Hewicker berichtet über die Geschichte des traditionsreichen Schiffes. Im Ringelnatz-Museum kommt Vereinsvorsitzende Erika Fischer zu Wort und Tom Lehmann, Inhaber des Fahrradladens Drahtesel, verrät unter anderem seine Lieblingsplätze in der Stadt. Weiter geht es zum Duhner Wattwagenbetrieb Strohsahl, wo Inhaberin Birgit Strohsahl interviewt wird, sowie zur DLRG-Wattrettung, die über Rettungseinsätze im Watt und wichtige Tipps für Urlauber und Einheimische informiert. In der Alten Nordseekantine erzählt Künstlerin und Inhaberin Andrea Keibel von ihrem besonderen Ort. Dort ist auch das Musik-Duo Persian Legends zu hören, das zu den Workshop-Teilnehmenden zählte.

Kreativität zwischen Fischpizza und Wernerwald
Besonders originell sind zwei Trickfilm-Beiträge. Der elfjährige Matveie aus der Ukraine hatte die Idee zu einer „Kochsendung“, in der seine Hände aus Knetmasse Schritt für Schritt eine Fischpizza zubereiten. Im Trickfilm-Krimi „Mord im Wernerwald“ nehmen Tiere die Ermittlungen auf. Auch dieser Streifen wurde liebevoll mit Knetmasse und Naturmaterialien umgesetzt. Im Anschluss gibt Krimiautorin Susanne Ziegert Einblicke in ihre Arbeit.

Aus dem umfangreichen Material entstand schließlich ein 36-minütiger Film. Johan Robin vom ATELIER-film-mobil Berlin sichtete und bearbeitete die zahlreichen Aufnahmen und führte die verschiedenen Beiträge zu einem Gesamtfilm zusammen. Dabei konnte auch Material des lokalen Cuxhavener Filmemachers Hartmut Mester verwendet werden.

Aus vielen Unterschieden wurde ein Team
Die Vielzahl der Themen und kreativen Ideen war jedoch nur ein Teil dessen, was den Workshop besonders machte. Anja Tchepets vom ATELIER-film-mobil Berlin hob bei der Premiere vor allem die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe hervor. Trotz des großen Altersunterschieds von 11 bis 21 Jahren sowie unterschiedlicher kultureller, nationaler und sprachlicher Hintergründe habe die Gruppe hervorragend zusammengearbeitet. Einige der Jugendlichen waren bereits zum wiederholten Mal bei Workshops dabei.

Auch Mariana Busse vom Jugendmigrationsdienst im Quartier des Paritätischen Cuxhaven zog eine positive Bilanz. Neben Teamwork und Teambuilding hätten die Jugendlichen viel über Cuxhaven gelernt, ihre Deutschkenntnisse erweitert und ihre eigenen Stärken kreativ ausleben können. Für Zahid Salim aus Afghanistan hatte die Woche sogar noch eine weitere wichtige Erkenntnis: „Ich habe viel über Cuxhaven gelernt und neue Leute kennengelernt und gemerkt, dass ich Schauspieler werden möchte.“ Tamsir Jallow, der während des Workshops seinen 21. Geburtstag im Kreis der Gruppe feiern konnte, zeigte sich ebenfalls begeistert. Der junge Mann, der erst seit einem Jahr in Deutschland lebt und bereits hervorragend Deutsch spricht, freute sich über die gemeinsamen Erlebnisse und die Überraschungen zu seinem Geburtstag.

Ein großer Dank gilt allen Jugendlichen, dem Künstlerhaus im Schlossgarten, den Workshopleitenden Johan Robin und Anja Tchepets vom ATELIER-film-mobil Berlin, den zahlreichen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern sowie den Unterstützern des Projekts.

Gefördert wurde „Küstenleben“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes, durch die Stadtsparkasse Cuxhaven, den Landkreis Cuxhaven, den Betrieb „Süß“ und die Stadt Cuxhaven.

Bildunterschrift: Johan Robin (l.) von ATELIER-film-mobil und Teilnehmerin Iryna Batura im Gespräch.

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