Cuxhaven. Im Rahmen ihrer landesweiten Besuchsreihe „Tack on Tour“ war Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Landesverbandes Niedersachsen, am Dienstag zu Gast beim Kreisverband Cuxhaven. Gemeinsam mit der Cuxhavener Geschäftsführerin Helle Vanini suchte sie den direkten Austausch mit Mitarbeitenden sowie Vertreterinnen und Vertretern von Mitgliedsorganisationen, um sich ein Bild von der sozialen Arbeit vor Ort, aktuellen Herausforderungen und politischen Handlungsbedarfen zu machen.
Auftakt des Besuchs war ein Begrüßungstreffen in der Geschäftsstelle des Paritätischen. Anschließend führte die Tour zu vier Stationen, die exemplarisch für die Vielfalt sozialer Arbeit in der Region stehen.
Ankerplatz 67: Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen
Erste Station war das Projekt „Ankerplatz 67“ in der Kapitän-Alexander-Straße 17. Mitarbeiterin Kristina Floßbach stellte die rund 170 Quadratmeter großen Räumlichkeiten vor, die montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet sind. Seit der Eröffnung am 11. Februar besuchen täglich etwa 12 bis 14 Menschen die Einrichtung – perspektivisch sollen es bis zu 20 sein.
Das Angebot richtet sich an Menschen ohne Wohnung oder in prekären Wohnverhältnissen/Lebenslagen sowie an Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Neben Aufenthaltsmöglichkeiten mit rund 30 Sitzplätzen bietet die Einrichtung niederschwellige Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Hilfe bei der Wohnungssuche sowie alltagsstrukturierende Angebote. Ergänzt wird das Angebot durch praktische Hilfen wie Duschmöglichkeiten, Waschmaschine, Trockner und eine Selbstversorgerküche.
Die Sozialpädagoginnen Kristina Floßbach, Elisabeth Pohle und Marlene Stachel unterstützen gemeinsam die Besucherinnen und Besucher. Ziel ist es, individuelle Perspektiven zu entwickeln und die Menschen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten.
Bürgerküche Cuxhaven: Gemeinschaft und Solidarität
Zweite Station war die Bürgerküche Cuxhaven e.V. am Alten Fischereihafen. Der 2022 gegründete Verein bietet frisch zubereitete Mahlzeiten an. Dienstags und donnerstags können Gäste hier essen – kostenlos oder gegen eine freiwillige Spende. Ergänzend gibt es ein Klön-Café sowie besondere Aktionen wie Koch-Tage mit Profis, Lesungen und Kochkurse. Rund 42 Ehrenamtliche engagieren sich in der Organisation, Zubereitung und Ausgabe der Speisen. Zusätzlich zu den 50 Essen vor Ort werden regelmäßig weitere 50 Mahlzeiten ausgeliefert.
Die Bürgerküche ist weit mehr als ein Ort der Versorgung: Sie schafft Begegnung, stärkt den Zusammenhalt und bietet Raum für Austausch. Das erfuhr Kerstin Tack im Gespräch mit dem Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Jan Bühner, Stellvertreter Volker Heitmann und Vorstandsmitglied Thomas Timm beim köstlichen Essen á la Inge Bühner.
Frauenhaus: Schutzraum und Neubeginn
Dritte Station war das Frauenhaus des Landkreises Cuxhaven in Trägerschaft des Paritätischen. Im Gespräch mit Leiterin Martina Buhlmann und den Mitarbeiterinnen Ulrike Krause und Katharina Mekwinski wurde deutlich, wie anspruchsvoll und zugleich unverzichtbar diese Arbeit ist.
Das Frauenhaus bietet Platz für acht Frauen und deren Kinder, tatsächlich leben dort häufig bis zu 16 oder 17 Personen. Neben Schutz und Unterkunft erhalten die Bewohnerinnen intensive Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Situation und beim Aufbau eines neuen, selbstbestimmten Lebens.
Als zentrale Herausforderungen wurden insbesondere der Mangel an bezahlbarem Wohnraum sowie die Tatsache benannt, dass viele Frauen aus unterschiedlichen Gründen wieder in gewaltbelastete Beziehungen zurückkehren. Themen wie Gewaltschutzgesetz, Barrierefreiheit und ein Rechtsanspruch auf Schutzplätze wurden ebenfalls diskutiert. Kerstin Tack sicherte dem Team Unterstützung auf Landesebene zu.
Lebenshilfe Hemmoor: Teilhabe und Selbstbestimmung
Abschließende Station war die Lebenshilfe Hemmoor e.V., eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen. Geschäftsführer Arik Tiedemann und sein Stellvertreter Niklas Jakobi stellten die fünf pädagogischen Fachbereiche vor: Kindertagesstätten, Schulassistenz, Frühförderung, Unterstützung im Alltag und Wohnen.
Bei der Besichtigung der Wohnstätten erläuterte Bereichsleiter Jochen Ahlf das Konzept: In vier Wohngruppen leben Menschen mit geistigen, körperlichen oder mehrfachen Behinderungen im Alter von 18 bis 60 Jahren in insgesamt 35 Einzelzimmern. Gemeinschaftsräume, barrierefreie Ausstattung, ein Fitnessraum sowie ein großzügiger Außenbereich fördern Selbstständigkeit und Lebensqualität.
Die Bewohnerinnen und Bewohner gehen einer Beschäftigung nach, häufig in Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr mit dem Schwerpunkt auf Alltagsbegleitung.
Fazit
Der Besuch machte deutlich, wie vielfältig und engagiert die soziale Arbeit im Landkreis Cuxhaven ist. Kerstin Tack zeigte sich beeindruckt vom Einsatz der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte und betonte die Bedeutung eines starken sozialen Netzes: „Die Einrichtungen leisten unverzichtbare Arbeit für unsere Gesellschaft. Es ist wichtig, ihre Herausforderungen sichtbar zu machen und politisch zu unterstützen.“



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