Stadt und Landkreis Cuxhaven – Damit ein paar Hintergründe und Fakten zu erfahren sind, wird in gewissen Abständen ein Interview mit unseren besonders Aktiven im Verein geführt. Heute wurde Hannelore befragt, weitere Interviews folgen.
Frage: Hannelore, wie bist du zu der Idee gekommen, einen betreuten Taubenschlag für beeinträchtigte Tiere zu bauen und zu betreuen?
Hannelore: Auf Facebook finde ich immer interessante Dinge. Und ich habe Gandolfs Taubenfreunde entdeckt und war entsetzt, was Tauben in den Städten erleiden. Meine weitere Recherche ergab, dass in Cuxhaven ein neuer Verein gegründet wurde, der sich dieser Thematik annehmen wollte. Für mich stand nach kurzer Zeit fest, dass ich mich auch einbringen möchte.
Frage: Einbringen ist natürlich die eine Sache, aber einen größeren Taubenschlag für beeinträchtigte Tauben zu errichten und zu betreuen schon etwas anderes. Hattest du denn vorher schon mal mit Tauben zu tun?
Hannelore: Mein Vater hatte Tauben, als ich noch ein Kind war. Aber später habe ich nie wieder was mit Tauben zu tun gehabt. Ich komme aus Hamburg und habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, wo die Tauben auf den Bahnhöfen herkommen. Das war für mich einfach normal. Was für ein Elend dahinter steckt, war mir nie bewusst. Ich selbst fing dann mit zwei Pflegetauben an.
Frage: Hannelore, was waren das für Tauben, die du als Pflegetauben hattest? Warum hattest du sie in Betreuung?
Hannelore: Das waren Stadttauben, die eine Nervenerkrankung hatten und in Betreuung bleiben mussten.
Frage: Das ist nachvollziehbar. Aber zwei Tauben sind weit entfernt von einem großen Taubenhof, den du ja jetzt betreust. Dort hast du Tauben, die Beeinträchtigungen haben und einige von Ihnen benötigen besondere Pflege. Wie sieht denn so ein Tag bei dir aus?
Hannelore: Ich reinige meistens frühmorgens schon den Fußboden mit einem Schaber, der Rest wird dann noch aufgefegt. Danach wird eine Art Kalk auf den Boden dünn aufgetragen (Schlagweiss), damit wird der restliche Fußboden abgetrocknet. Bei Tauben ist darauf zu achten, dass alles immer schön trocken ist. Es darf jedoch nur so viel aufgebracht werden, dass die restliche Feuchtigkeit gebunden wird. Dann folgt eine kleine Pause und im Anschluss bekommen sie ihr Futter und frisches Wasser.
Jeden Tag bekommen die Tauben ihre Badewanne gesäubert, wo sie übrigens auch daraus trinken. Mehr ist es nicht. Natürlich schaue ich mir auch die Tiere an, wie es ihnen geht und ob sie Eier gelegt haben. Sie legen ca. alle 4-5 Wochen zwei Eier im Abstand von ungefähr 48 Stunden und diese tausche ich gegen Attrappen aus und trage jedes Ei in eine Liste ein. Diese Attrappen bebrüten sie (wie ihre eigenen Eier) ungefähr 18 Tage lang. Am Ende des Jahres können wir sagen, wie viele Küken dadurch weniger entstanden sind. Die Vögel erkennen mich und ich kann sie auch gut unterscheiden. Wenn zwischendurch z. B. eine humpelt oder anders auffällig ist, nehme ich sie aus der Voliere heraus und separiere sie. Es kommt auch in einer Voliere einmal vor, dass sich ein Tier verletzt. Durch das Separieren hat das Tier ein klein wenig mehr Schonung und ich sehe, ob sich wieder alles normalisiert. Die tägliche Zeit dauert mit Füttern und Frischwasser ca. eine 3⁄4 Stunde. Einmal im Monat ist die Groß-Reinmach-Aktion. Das dauert dann natürlich schon ein wenig länger.
Frage: Du hattest mir eben die Voliere gezeigt. Dort hattest du auch auf eine Taube hingewiesen, bei der der Flügel amputiert worden ist. Inwieweit ist diese Taube jetzt eingeschränkt?
Hannelore: Da ist unsere “Floki”. Bei ihr musste der Flügel amputiert werden, weil sie ein gewaltiges Geschwür hatte, das sie sehr stark eingeschränkt hatte. Gehen konnte sie dadurch nicht und fliegen ohnehin nicht mehr. Jetzt kann sie wieder gehen und ist unter den anderen Tieren sehr aktiv. Ich werde ihr in Kürze noch kleine Aufstiege bauen, ähnlich wie Treppen, so dass auch sie ein wenig höher kommen kann. Insgesamt sind es drei Tauben, die durch ihre Einschränkung gar nicht mehr fliegen können. Ansonsten können diese drei Tiere wie alle anderen baden, haben ihr Nest und trinken und fressen.
Frage: Die Taube sieht definitiv hervorragend aus. Wenn du nicht darauf hingewiesen hättest, dass ihr der Flügel amputiert worden wäre, hätte ich das überhaupt nicht gesehen. Zum einen sieht sie aus wie ein ganz normales Tier und zum anderen sieht man wieder, wie wichtig es ist, dass auch verletzte Tiere schnell gesichert werden und auch sofort möglichst in die Behandlung der Stadttaubenhilfe kommen. Apropos Stadttaubenhilfe, kürzlich ist ein Bericht über die Stadttaubenhilfe Norderstedt beim NDR erschienen. Dort ist auch beeindruckend zu sehen, was für Wirkung diese Arbeit, die die Vereine machen, entfacht. Wie ist der Stand in Cuxhaven?
Hannelore: Der Taubenschlag in Norderstedt zeigt wie gut und wie wichtig das Füttern und das Kontrollieren für die Tiere ist. Die Population ist durch Eiertausch stark verringert worden und es gibt durch diesen nachweislichen Erfolg mittlerweile Taubenschläge in vielen Städten. Auch Hamburg hat inzwischen immer mehr betreute Taubenhäuser. Leider sind wir in Cuxhaven noch nicht soweit, aber wir sind dran.
Frage: Städte und Gemeinden müssten im Prinzip ja glücklich sein, dass die Vereine, auch wenn sie klein sind, ihre zusätzliche Hilfe dabei anbieten. Dabei ist es auch klar, dass diese ehrenamtlichen Personen selbst nicht in der Lage sind, große Bauprojekte zu starten, Container zu erwerben, oder Grundstücke zu kaufen. Vereinsmitglieder arbeiten kostenlos im Gemeinwohl der Stadt/der Landkreise und im Gemeinwohl der Tiere. Ähnlich wie du das ja auch betreibst. Was würdest du dir wünschen, wenn du drei Wünsche freihättest:
Hannelore: Als Erstes würde ich mir wünschen, dass unserem Verein das Füttern der Stadttauben in Cuxhaven erlaubt wird, weil es aktuell noch ein Fütterungsverbot gibt. Dieses führt zu ganz viel Elend.
Als Zweites würde ich mir wünschen, dass wir gemeinsam mit der Stadt oder dem Landkreis ein Taubenhaus bauen und betreiben können.
Und der dritte Wunsch ist, dass sich noch mehr Menschen für Tauben interessieren und uns aktiv unterstützen.
Hannelore, vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit.
Bei Interesse mitzumachen oder für Unterstützung gerne mit dem Verein Kontakt aufnehmen unter Stadttaubenhilfe-Cuxland@web.de oder unter 0170 3230289.



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