Junge Menschen im ländlichen Raum sollen nicht durch die Maschen fallen: Dafür haben der Landkreis Cuxhaven und der Paritätische ein präventives, enges und gleichzeitig flexibles Netz gespannt, das seit dem 1. Mai bis 26-Jährige auch in abgelegenen Gemeinden beratend und begleitend auffangen will. In den neuen Pro-Aktiv-Centren (PACE) Schiffdorf und Hemmoor kümmern sich drei Mitarbeiterinnen um Unterstützung beim Übergang von Schule in den Beruf. Ebenfalls neu ist eine Außenstelle der Jugendwerkstatt Cuxhaven in Schiffdorf. Hier stehen Schulverweigerern acht Plätze für die Erfüllung der Schulpflicht zur Verfügung.
PACE in Schiffdorf und Hemmoor
Kai Uhlhorn vom Paritätischen Cuxhaven weiß noch genau, wie er vor fünf Jahren die Zimmer im Nebengebäude der Schiffdorfer Max-Eyth-Schule wehmütig ausgeräumt hatte – das damalige PACE-Projekt mit dem Landkreis musste beendet werden. Drei Jugendberufsagenturen (JBA) mit den Beratungsstellen AHOI entstanden stattdessen, Doppelstrukturen sollten vermieden werden. Im April 2024 stellt der stellvertretende Pari-Geschäftsführer mit Mitarbeiter*innen nun in den gleichen Zimmern wieder Möbel auf und freut sich sehr über die Wiederaufnahme von PACE. „In Ergänzung zu AHOI und in enger Abstimmung wird PACE gerade die Orte aufsuchen, die durch die dezentrale Lage vernachlässigt werden. Hier wohnen junge Menschen, die bedingt durch mangelnde Mobilität auch Hilfsangebote nur schlecht erreichen können“, so Kai Uhlhorn. Sozialarbeiterin Louisa Bohn (pace-suedkreis@paritaetischer.de, Tel. 01578/2214479) und eine Kollegin, die ihre Arbeit am 1. Juli aufnehmen wird, kümmern sich dann unter der Trägerschaft des Paritätischen um diese jungen Menschen im Südkreis aus den Zielgebieten und Gemeinden Bederkesa, Schiffdorf, Hagen, Beverstedt und Loxstedt. Zu Beginn wollen sie ein großes Netzwerk bilden, an die Schulen herantreten und mittelfristig auch feste Sprechzeiten in verschiedenen Orten anbieten. Im östlichen Landkreis wird Pädagogin Elvira Pfeifer (pace-ostkreis@paritaetischer.de, Tel. 01578/2214510) diese Aufgabe vom Standort Hemmoor aus für die südwestlich gelegenen Gemeinden wie etwa Lamstedt übernehmen. In beiden PACE-Bereichen befinden sich acht weiterführende Schulen sowie diverse Treffs der offenen Jugendarbeit und Familienzentren, die sich neben der aufsuchenden Arbeit als Stützpunkte für die pädagogische Tätigkeit gut nutzen lassen.
Julia Binkowski, Bereichsleiterin Sozialplanung beim Landkreis, und Kollegin Silvia Müller unterstützen das Angebot aktiv koordinierend. „Das Ziel der JBA ‚Niemand soll verloren gehen‘ bleibt bestehen, aber an bestimmten Stellen ist die aufsuchende Arbeit von PACE hier einfach eine hervorragende Ergänzung“, unterstreicht Julia Binkowski. Finanziert wird PACE zu zehn Prozent durch den Landkreis, sowie über die NBank aus Landesmitteln und Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds. Das Projekt ist vorerst für 22 Monate gesichert.
Außenstelle der Jugendwerkstatt Cuxhaven in Schiffdorf
Schon seit Jahren fordern Schulsozialarbeiter*innen im Südkreis Hilfen für junge Menschen, die nicht beschulbar sind, mit dem System Schule nicht zurechtkommen, sich in der Folge verweigern oder von einer Suspendierung zur nächsten gelangen. Durch die Corona-Pandemie sind die Zahlen der Betroffenen mit multiplen Problemlagen weiter gestiegen und der Bedarf wächst. Die Jugendlichen sind zum Teil von der Schule suspendiert worden, Bußgeldbescheide drohen, einen Schulabschluss haben sie nicht oder werden ihn vermutlich vorerst nicht erlangen. Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen haben deutlich zugenommen. Dringend benötigte Unterstützungsprojekte wie etwa eine Werkstattschule scheiterten bisher an der Finanzierung.
In einer einjährigen Pilotphase finanziert nun der Landkreis Cuxhaven seit dem 1. April die neue Außenstelle Schiffdorf der Jugendwerkstatt Cuxhaven unter der Trägerschaft des Paritätischen und der Leitung von Eva Heins und bietet im Südkreis acht Plätze zur Schulpflichterfüllung an. Arbeitspädagoge Daniel Depping hat dazu direkt neben den Räumen des Pro-Aktiv-Centers im Nebengebäude der Max-Eyth-Schule Schiffdorf seinen Sitz. In Kooperation mit Schulsozialarbeitenden kümmert sich der Arbeitspädagoge darum, dass die Schüler*innen mit einem Kleinbus in die Jugendwerkstatt Cuxhaven gefahren werden, wo sie 27,5 Stunden pro Woche in den Arbeitsbereichen Holz, Ernährung oder Elektro untergebracht sind. „Zuallererst geht es hier um Beziehungsarbeit, ums Zuhören und Auffangen“, so Daniel Depping. Die Jugendlichen kommen oft aus zerrütteten Familien, kennen Pflegeeltern, Wohngruppen, Drogen- und Gewaltprobleme nur zu gut. „Wir möchten ihnen Perspektiven aufzeigen, Möglichkeiten bieten“, so Eva Heins. Eine engere sozialpädagogische Betreuung hat das Ziel, Tagesstrukturen wiederaufzubauen, Lernen kann durch sehr praktische Annäherung wieder positiv besetzt werden. Es sind noch Plätze frei – Schulen können sich unter schiffdorf.jugendwerkstatt@paritaetischer.de an Daniel Depping wenden. Nach der Pilotphase soll ein Antrag bei der N-Bank des Landes Niedersachsen auf Förderung für eine weitere feste Jugendwerkstatt im Kreis gestellt werden. Der Paritätische Cuxhaven betreibt bereits erfolgreich Jugendwerkstätten in Cuxhaven und Hemmoor.

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