Cuxhaven. Was gehört zu einer gesunden Beziehung? Wo verlaufen persönliche Grenzen? Und woran kann erkannt werden, wenn aus Nähe Kontrolle, Abhängigkeit oder Gewalt wird? Mit diesen wichtigen Fragen beschäftigt sich die Präventionsausstellung „Herzschlag“ der Polizei Niedersachsen, die jetzt im Forum der BBS Cuxhaven eröffnet wurde.
Der Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt Cuxhaven holt die interaktive Ausstellung in diesem Herbst an drei Schulen im Landkreis. Nach dem Auftakt in Cuxhaven wird „Herzschlag“ auch in Hemmoor und Langen zu sehen sein. Ziel ist es, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene für die Themen Respekt, persönliche Grenzen und Gewaltprävention zu sensibilisieren.
Zur Eröffnung begrüßten Mirian Breuer, Leiterin der Frauen- und Mädchenberatung, und Mariana Busse von der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (beide Paritätischer Cuxhaven) die Gäste, unter anderem Oberbürgermeister Uwe Santjer, die Kreisgeschäftsführerin des Paritätischen Cuxhaven, Helle Vanini, Mitglieder des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte. Carmen Stelzer, eine der Koordinatorinnen der BBS Cuxhaven, dankte dem Arbeitskreis im Namen der Schulleitung dafür, die Ausstellung an die Schule geholt zu haben.
„Wir möchten junge Menschen dabei unterstützen, selbstbestimmt zu handeln, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und die Grenzen anderer zu respektieren“, betonte Stelzer. Gewaltprävention gehöre unbedingt an Schulen. Für die BBS komme zudem eine besondere Verantwortung hinzu: Viele Schülerinnen und Schüler würden später in Berufen arbeiten, in denen sie Verantwortung für andere Menschen übernähmen. „Vielleicht werden sie irgendwann diejenigen sein, die bemerken, dass etwas nicht stimmt.“
Für einen besonderen musikalischen Rahmen sorgte das Duo Ida & Emma aus Bremerhaven. Mit passenden Popballaden begleiteten die beiden Musikerinnen die Eröffnung der Ausstellung und schufen damit einen stimmungsvollen Einstieg in eine Veranstaltung, die sich mit einem ernsten und zugleich wichtigen Thema beschäftigt.
Gewalt hat viele Gesichter
Die Ausstellung besteht aus zahlreichen Stelltafeln und interaktiven Elementen. Thematisiert werden unterschiedliche Formen von Gewalt – darunter digitale, sexuelle, psychische und körperliche Gewalt. QR-Codes führen teilweise zu weiterführenden Geschichten und Hilfsangeboten. Weitere Stationen beschäftigen sich mit den unmittelbaren und langfristigen Folgen häuslicher Gewalt für Kinder, den Gedanken und Erfahrungen Betroffener sowie den Merkmalen ungesunder Beziehungen. Besucherinnen und Besucher erhalten Hinweise darauf, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und wie Menschen helfen können, wenn ihnen in ihrem Umfeld etwas Verdächtiges auffällt. Auch mögliche Gründe, warum Jugendliche und Erwachsene eine Beziehung verlassen möchten oder müssen, werden aufgegriffen.
Zur Ausstellung gehört zudem ein Film, der verschiedene Formen von Gewalt und problematischem Verhalten in Beziehungen zeigt – von Kontrollsucht und öffentlichem Schlechtmachen des Partners bis hin zu körperlichen Übergriffen gegen den Willen.
Die BBS Cuxhaven hat die Ausstellung zusätzlich mit eigenen Projekten ergänzt. Eine Erzieherklasse hat einen begleitenden Workshop vorbereitet. Schülerinnen der Fachoberschule Gestaltung, Klasse 12, setzten sich im Unterricht kreativ mit dem Thema auseinander und entwickelten eigene Poster, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind.
„Nein sagen“ muss möglich sein
Oberbürgermeister Uwe Santjer dankte dem Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt für sein Engagement. Er sprach von seinem Wunsch nach einem Cuxhaven als „Stadt der guten Nachbarschaft“, in der Menschen respektvoll miteinander umgehen und in der es selbstverständlich sein müsse, auch Nein sagen zu können. Besonders betroffen mache ihn die Tatsache, dass in Stadt und Landkreis rund 500 Kinder lebten, die häusliche Gewalt wahrgenommen oder selbst erlebt hätten – hinzu komme eine nicht bekannte Dunkelziffer. Gewalt findet zudem häufig gerade in dem Umfeld statt, in dem Menschen sich eigentlich sicher und geschützt fühlen sollten.
Der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt Cuxhaven besteht bereits seit 1999. Gegründet wurde er von den Frauenprojekten des Paritätischen und der Polizei. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Hilfeeinrichtungen zu stärken, über häusliche Gewalt aufzuklären und Wege aus der Gewalt besser zu koordinieren. Heute gehören dem Netzwerk zahlreiche Einrichtungen und Organisationen aus Beratung, Sozialarbeit, Polizei, Justiz, Bildung und weiteren Bereichen an.
Ausstellung auch für die Öffentlichkeit geöffnet
Die Ausstellung „Herzschlag“ ist in der BBS Cuxhaven noch bis zum 10. September zu sehen. Sie kann während der Ausstellungszeit jeweils von 14 bis 17 Uhr auch von der Öffentlichkeit besucht werden.
Für die Vormittage haben sich bereits zahlreiche Schulklassen angekündigt, darunter Gruppen des Lichtenberg-Gymnasiums, der Oberschule Süderwisch und der Waldorfschule. In Cuxhaven sind noch Termine am 7. und 11. September frei. Für die Stationen in Hemmoor und Langen sind bereits alle Termine vergeben.
Nach Cuxhaven wird die Ausstellung an folgenden Standorten gezeigt:
- Osteschule Hemmoor: 15. bis 24. September 2026
- Oberschule Langen: 29. September bis 8. Oktober 2026
- Bildunterschrift:Diese Fragen auf Kärtchen sollen Jugendliche in begleitenden Workshops für Themen rund um Beziehungen sensibilisieren.




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