Cuxhaven. Was bedeutet es heute, dazuzugehören? Was ist Heimat? Wem kann man glauben – und wie bildet man sich eigentlich eine eigene Meinung, wenn täglich unzählige Informationen und Nachrichten auf uns einströmen? Für rund 150 Jugendliche aus Cuxhavener Schulen waren das am 17. September keine Fragen aus einem Schulbuch, sondern Themen, die sie selbst beschäftigen.
Im Rahmen der Interkulturellen Woche 2026 sahen die Jugendlichen im Stadttheater das Stück „Was heißt hier wir?“. Die Inszenierung verbindet die deutsche Geschichte mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten und lädt dazu ein, über Identität, Zugehörigkeit und die gemeinsame Zukunft nachzudenken.
Im Mittelpunkt stehen Jakob Barbian und Leopold Einstein, gespielt von Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach. Beide Figuren sind keine erfundenen Charaktere: Barbian und Einstein stammen aus Göppingen und wurden während des Nationalsozialismus zu Opfern der Verfolgung.
Die Inszenierung wechselt dabei zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Historische Ereignisse treffen auf Fragen, die bis heute aktuell sind: Was bedeutet es, deutsch zu sein? Was gilt als „undeutsch“? Wie wirkt die Vergangenheit bis in unsere Gegenwart hinein – und wie wollen wir als Gesellschaft künftig miteinander leben?
Mit bunten technischen Effekten, eindrucksvollen Liedern und spannenden Choreografien erzählen die beiden Schauspieler eine kurzweilige Geschichte, die das Publikum immer wieder mit neuen Fragen konfrontiert. Dabei setzt sich das Stück auch mit rechten Positionen auseinander und stellt ihnen andere Erzählungen und Perspektiven entgegen.
Doch die eigentliche Diskussion begann erst nach dem Schlussapplaus. Bei der Nachbesprechung mit den Schauspielern beteiligten sich die Jugendlichen rege und brachten eigene Erfahrungen und Fragen ein. So ging es unter anderem um Heimat und Chancengleichheit, aber auch um den täglichen Umgang mit Informationen und Nachrichten. Wie erkenne ich verlässliche Informationen? Wo informiere ich mich? Und wie kann ich mir aus der Vielzahl unterschiedlicher Aussagen eine eigene Meinung bilden?
Dabei wurde deutlich, dass die Jugendlichen nicht nur neugierig, sondern teilweise auch verunsichert in ihre Zukunft blicken. Einige schilderten ganz offen ihre Sorgen und Unsicherheiten angesichts der kommenden Jahre.
Gerade deshalb war der Austausch ein wichtiger Teil des Theaterbesuchs. Denn „Was heißt hier wir?“ will keine fertigen Antworten liefern. Das Stück regt vielmehr dazu an, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie das eigene „Wir“ aussehen kann. Damit wurde der Theaterbesuch zu deutlich mehr als einem kulturellen Angebot. Er wurde zu einem Raum für Erinnerung, Austausch und demokratische Auseinandersetzung.
Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Woche 2026 vom Paritätischen Cuxhaven gemeinsam mit dem Jugendmigrationsdienst und weiteren Partnerinnen und Partnern.
Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Finanzierung über „Demokratie leben!“ sowie Fördermittel der Stadtsparkasse Cuxhaven und des Landkreises Cuxhaven.



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