Himmelpforten. Bereits zum dritten Mal ist der Solocellist Ludwig Frankmar zu einem Konzert nach Himmelpforten in die St. Marienkirche eingeladen. Am 19.06.2026 um 19.30 Uhr steht bei „Kultur in der Kirche“ das Konzert „Einstimmige Musik von Meistern der Mehrstimmigkeit“ für Barockcello solo auf dem Programm, mit Werken von Giovanni Battista Degli Antonii, Johann Sebastian Bach, Giovanni Bassano, und Carl Philipp Emanuel Bach.
Das Barockkonzert ist eine Veranstaltung der Reihe „Kultur mit Geschmack“ und wird gefördert durch den Landschaftsverband Stade mit Mitteln des Landes Niedersachsen.
In der späten Renaissance fingen venezianische Musiker an, mehrstimmig angelegte Musik auf Soloinstrumentalstimmen zu reduzieren. Ein Höhepunkt dieser Musikform wurde 1585 mit den 8 Ricercate des am Markusdom als Kapellmeister tätigen Giovanni Bassano erreicht. Ricercate-Sätze wurden bis in das 18. Jahrhundert hinein komponiert. Im Barock hatte ein Übergang von schwebender Rhythmik des Kirchengesangs zu konkret ausgeschriebenen Sätzen in 3- oder 4-Takt stattgefunden, und Tanzelemente wurden hinzugefügt. Hinter der 1687 in Bologna erschienenen Ricercate sopra il Violoncello’ steht ein Organist namens Giovanni Battista Degli Antonii. Seine grandiose und mehrheitlich um Primzahl-Strukturen akribisch ausgearbeitete Sammlung hat nie einen festen Platz im Cellorepertoire eingenommen. Schon als sie 1687 im Druck erschienen, waren sie veraltet – überholt von einer moderneren, gesanglicheren Musik.
In Johann Sebastian Bachs um 1720 entstandenen Solowerken für Streicher kommen vielfältige Einflüsse und Stilarten des Barock zum Ausdruck: freie Präludien, französische Ouvertüren, Fugen, Toccaten und diverse Tanzformen im italienischen und französischen Stil. Bach hat vermutlich diese Sammlung in Weimar um 1715 angefangen zu komponieren und erst 10 Jahre später in Leipzig abgeschlossen. Die konkrete Feststellung des Instrumentariums ist heute schwer nachzuvollziehen, da sich in dieser Zeit die Gruppe des “kleinen Bassinstruments” veränderte und Bach häufig verschiedene Violoncelli gleichzeitig einsetzte.
Carl Philipp Emanuel Bach, der 1741 zum Hofcembalisten Friedrich II. in Potsdam ernannt worden war, schrieb neben Werken für seinen traversflötenspielenden Arbeitgeber u.a. mehr als 300 Cembalosonaten, jedoch keine einzige Sonate für Cello – eine legitime Gelegenheit also, um seine „Solosonate für Traverso“ hier für das Cello zu adaptieren, zumal es Friedrich der Große selbst war, der im Jahr 1773 den französischen Cellisten Jean-Pierre Duport holen würde, damit sein Neffe und Nachfolger, König Friedrich Wilhelm II., dieses Instrument erlernen konnte.
Ludwig Frankmar (* 1960) war in seiner Heimatstadt Malmö Schüler von Guido Vecchi, und war als Orchestermusiker an der Barcelona Oper und als Solocellist der Göteborger Oper tätig, sowie, nach Studien bei Thomas Demenga an der Musik-Akademie Basel, als Solocellist der Camerata Bern. Als er 1995 den Orchesterberuf verließ, beschäftigte er sich zuerst v.a. mit zeitgenössischer Musik. Kontakte und Zusammenarbeit mit Kirchenmusikern führten ihn zur Alten Musik und zur historischen Aufführungspraxis. Er spielt ein fünfsaitiges Barockcello, gebaut von Louis Guersan (Paris, 1756).
Der Eintritt zum Konzert ist frei. Ein kleines Angebot an Fingerfood und Getränken rundet den Kulturabend bei „Kultur in der Kirche“ ab.
Zur besseren Planung bittet die Kirchengemeinde Himmelpforten um Platzreservierungen per E-Mail an kulturkirche-himmelpforten@gmx.de. Sie erhalten anschließend eine Anmeldebestätigung. Eine telefonische Anmeldung im Kirchenbüro (04144/ 699 7690) ist auch möglich.
Weiterführende Informationen zu den Veranstaltungen und zum Team von “Kultur in der Kirche” erhalten Sie auf der Homepage der Kirchengemeinde Himmelpforten.



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