Wingst. Die Kameradschaft der Wingster Reservisten kann sich glücklich schätzen, dass prominente Personen des öffentlichen Lebens und der Politik den Einladungen in das Franz-Hermann-Hahn-Heim auf dem Gelände des Campingparks Knaus immer wieder gerne folgen. Dieses Mal war der Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen im Reservistenverband, Oberst der Reserve, Manfred Schreiber, zu Gast.
Sein Thema: Leben wir in Deutschland und Europa eigentlich schon im Krieg? Eine sicherheitspolitische Analyse des „Hier und Jetzt“.
Oberstabsfeldwebel der Reserve Rolf Lewerenz führte in seiner Funktion als Vorsitzender durch das Programm des Abends. Unter den Gästen befanden sich Vertreter des Landkreises Cuxhaven, des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Geschäftsführer der Gesellschaft für Sicherheitspolitik ( GSP ), Axel Franke aus Bremervörde, der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Wingst, Rolf Koenig und bekannte Vertreter aus Politik wie auch der Ukrainehilfe aus dem Nachbarort Cadenberge.
Nicht zu vergessen sind Mitglieder benachbarter Reservistenkameradschaften.
Oberst d. Reserve Manfred Schreiber leitete seinen Vortrag provokativ mit den Worten „Friede, Freude, Eierkuchen?“ ein und stellte diese naive Vorstellung heutiger Zeit, die Selbstverständlichkeit unseres Friedens in Europa prägnant infrage. An einzelnen Beispielen zeigte er, mit welchen Spionage- und Sabotageaktionen Russlands Regierung unter Vladimir Putin versucht, die Toleranz Deutschlands im Bündnis der NATO auszuloten. Darunter zählten Flüge von Drohnen über wichtige Industrieanlagen, militärische Einrichtungen und infrastrukturell bedeutende Verkehrspunkte sowie unzählige Cyberangriffe, Tendenz zunehmend.
Im weiteren Verlauf Schreibers Ausführungen wurde deutlich, dass eine Bewusstseinsänderung hinsichtlich der Verteidigung unseres Staates und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dringend erforderlich ist. Der Wiederaufbau einer verteidigungsfähigen Bundeswehr müsse beschleunigt forciert werden. Dieses sei nicht nur ein wirtschaftlicher Kraftakt, sondern erfordere auch ein Umdenken. Jeder müsste sich die Frage stellen, was ihm das Leben in Freiheit und Demokratie wert sei. Die Gesellschaft müsse sich darauf einstellen, Opfer zu bringen. Schreiber führte Stellungnahmen bedeutender Staatsmänner, wie die vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und auch Friedrich von Weizsäcker an. Sie hatten es deutlich formuliert. Der Frieden und der Erhalt unserer Demokratie seien nur sicher, wenn auch unsere Wehrhaftigkeit imstande sei, Bedrohungen fernzuhalten.
Der ehemalige vertretende Generalinspekteur der Bundeswehr Laubenthal sagte den Satz: „Krieg beginnt mit der Truppe, er endet mit den Reservisten“. Hiermit unterstrich auch er die Relevanz und Unverzichtbarkeit der Reservisten in Deutschland und Europa.

Teilnehmer des Abend hören interessiert die Worte von Oberst d. Res. Manfred Schreiber
Nach dem Hauptvortrag begann eine lebhafte Diskussion. Stichpunkte fanden sich in der Arbeit der Politiker, der Darstellung von Informationen und Fake News in den Medien. Auch die Empfänglichkeit junger Menschen gegenüber gefälschten Nachrichten wurde thematisiert.
Bundeswehrspezifische Strukturen, wie die Fremdvergabe wichtigen Materials, Liegenschaften und auch Dienstleistungen müssten überdacht werden. Schwierigkeiten unüberwindbarer Natur stelle auch die Wiedereinführung einer Wehrpflicht dar. Trotz alledem sei keine Zeit. Bürokratie und Datenschutz stünden dringlicher Errichtung von Infrastruktur und Ausrüstung personell und materiell im Wege.
Neben der Turbulenz und Brisanz der Thematik fanden aber auch Ehrungen von Mitgliedern der Reservisten Kameradschaft Wingst durch den Landesverstand Niedersachsen statt. Hans Heinrich Köferstein erhielt für seine Treue und unermüdliche Leistungsbereitschaft die Ehrennadel in Silber. Joachim Well freute sich über die verdiente Auszeichnung langjähriger Mitgliedschaft. Die Ehefrau des Gründers der Kameradschaft Wingst, Ute Hahn wurde für Ihre Jahrzehnte lange Unterstützung und die Bereitschaft, ihrem Ehemann Franz Hermann zeitlichen Freiraum zu geben, mit der Ehrennadel in Bronze belohnt.

Oberstabsfeldwebel d.Res Rolf Lewerenz, Frau Ute Hahn, Oberst d. Res. Manfred Schreiber
Der Abend wurde noch lang, lebhaft und gesellig.
Jedoch eine Quintessenz bleibt entscheidend. Eine Krise bewältigt man nur in Geschlossenheit. Das „Wir“ muss über dem „Ich“ stehen, wie auch Oberst Schreiber im Gästebuch verewigte. Ihm sei ein herzliches Danke gesagt, ist doch die Wingst gewissermaßen ein zweites Zuhause…



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