Cadenberge. Die Veranstaltung der Heimatfreunde Cadenberge begann mit einem Rundgang durch die „Große Backstube“ der Bäckerei Buck im Gewerbegebiet Cadenberge. Zahlreiche Interessierte drängten sich schon vor Beginn der Veranstaltung vor der Tür. Jeder kam sicher mit einer anderen Vorstellung. Was erwartete uns? Der Rundgang zeigte: Es gibt keine Fließbänder, keine Säcke mit Backmischungen und auch nicht den gemauerten Backofen, wie einige vermutet hatten. Hans Buck und sein Sohn Tilo führten uns durch ihre Bäckerei und erläuterten die einzelnen Stationen, die das Brot, die Brötchen und der Kuchen durchlaufen. So benötigt das Bauernbrot vom Teigansatz bis zur Auslieferung 48 Stunden, in denen der Teig Zeit hat, zu gären und Aroma zu entwickeln. Die Brötchen benötigen „nur“ 24 Stunden, d. h., die Idee, einen Teigkloß in den Backofen zu legen, kurz zu backen und schon ist das Brötchen fertig, wird hier nicht umgesetzt. „Aha, hier liegt also der entscheidende Unterschied zu den Backwaren aus dem Discounter“, so war die Erkenntnis der Besucher. Tatsächlich werden die Backwaren in der Bäckerei sehr viel aufwendiger hergestellt als in den Großbetrieben. Und hinter der Bäckerei steht eine Familie, die hier im Dorf lebt und sich von ihrer Arbeit ernährt. Dazu kommen Angestellte, die hier ihren Arbeitsplatz haben. Diese Erkenntnis hat einige nachdenklich gestimmt.
Im Anschluss an die Besichtigung fanden sich die Gäste im MarC5 ein, wo sie mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Währenddessen zeigte der Ortsheimatpfleger aus Lamstedt, Dr. Hinrich Hildebrandt, einen Film über das mühsame Backen auf den Höfen im 19. Jahrhundert. Vorwiegend Frauen und Kinder kneteten den schweren Teig mehrfach mit der Hand. Der Backofen musste auf die richtige Temperatur vorgeheizt werden. Auf den Höfen wechselten sich die Nachbarn mit dem Backen ab, das erleichterte diese Arbeit. In seinem Vortrag, der in Platt gehalten wurde, erwähnte Hildebrandt u. a., dass die Römer das Handwerk des Brotbackens mit gesäuertem Teig in unser Land gebracht haben. Vor dieser Zeit wurde bei uns das Getreide als Körnerbrei angerührt. Inzwischen haben wir in Deutschland mehr als 600 verschiedene Brotarten, einzigartig auf der Welt. Das Brot hat einen festen Platz in unserer täglichen Ernährung. Es wird in der Bibel und dem Vaterunser genannt und auch in Kinderliedern und -versen wird das Backen besungen. “Backe, backe Kuchen, … wer erinnert sich nicht gerne daran?“ Das Backen ist mehr als ein wichtiges Nahrungsmittel, ist es nicht sogar ein Kulturgut?



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