Cuxhaven. Es war ein Nachmittag voller Wärme, Zuversicht und Dankbarkeit: Beim Treffen des Jugendmigrationsdienstes (JMD) Cuxhaven am 11. November berichteten junge Menschen aus der Ukraine, dem Iran und Somalia über ihre Erfahrungen und die Unterstützung, die sie durch den Paritätischen Cuxhaven erfahren haben. Begleitet wurde das Treffen von JMD-Mitarbeiterin Vera Nickels – und es stand „unter einem guten Stern“. Denn Mahan (18) aus dem Iran hatte Kuchen mitgebracht, um eine besondere Nachricht zu feiern: Seine Familie darf in Deutschland bleiben. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen teilte er seine Freude – ein Moment, der zeigte, wie sehr der JMD nicht nur ein Beratungsangebot, sondern für viele längst zu einem Ort der Gemeinschaft und Hoffnung geworden ist.
Sprachförderung als Schlüssel zur Teilhabe
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des JMD ist über die Sprachförderung die Erhöhung der Teilhabe und der Selbstwirksamkeit. Besonders dankbar sind die Jugendlichen für die ehrenamtliche Unterstützung von Natalja Ohlrogge, die dienstags Nachmittagskurse anbietet. Die gebürtige Estin spricht Russisch und etwas Ukrainisch – ein unschätzbarer Vorteil im Unterricht. Außerdem leitet sie einen Gesprächskreis, der auf Initiative des JMD entstanden ist. Doch die Finanzierung solcher Angebote steht zunehmend unter Druck: „Leider wurden Mittel gekürzt, sodass immer weniger dieser dringend benötigten (Sprach-) Kurse stattfinden können. Dies hat zur Folge, dass es nun auch schwierig ist, die entsprechenden Angebote zu planen“, erklärte Vera Nickels. Trotzdem bleibt der Erfolg sichtbar: Anhelina (16) und Daria (16) aus der Ukraine berichteten, wie sehr sich ihr Deutsch durch den JMD-Unterricht verbessert habe. „Hier habe ich auch Freunde gefunden“, sagte Daria. Sie bedauert, dass ihr zusätzlicher Deutschkurs am Gymnasium gestrichen wurde – umso wichtiger sei für sie der JMD. Beide nahmen zudem an Theaterprojekten mit der Gruppe „Das Letzte Kleinod“ teil, die regelmäßig Jugendtheater rund um gesellschaftliche Themen anbietet. In diesem Herbst stand das Projekt „Nasses Land – WASSERWEGE“ auf dem Programm. Unter professioneller Anleitung waren 25 Jugendliche Teil der Stücke. Gespielt wurde an außergewöhnlichen Orten – in einer alten Schleuse in Lintig und am Schöpfwerk in Ihlienworth. Für viele Teilnehmende war es nicht die erste Erfahrung mit Theater, Bühne und Ausdruck. Sie lernten neue Worte, die Umgebung kennen und machten Bekanntschaft mit Bewohnern einer Senioreneinrichtung. „Wir haben ihnen ukrainische Lieder vorgesungen“, so Daria. Neben schauspielerischen Fähigkeiten vermittelte das Projekt auch Wissen über regionale Geschichte und Umweltzusammenhänge. Am Ende standen intensive Tage, neue Freundschaften und das Gefühl, gemeinsam etwas Bedeutendes geschaffen zu haben.
Kreativität und Engagement im Mittelpunkt
Auch andere Projekte zeigen, wie vielfältig die Arbeit des Jugendmigrationsdienstes ist. So schwärmte Ferhan (16) aus Somalia vom Foto- und Filmprojekt „Mission Wellen Meer (MWM)“. Unter Anleitung des Berliner Künstlerduos ATELIER-film-mobil hatten Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern einen beeindruckenden Film zum Thema Umweltschutz und Meeresverschmutzung produziert. „Ich habe so viel über Verantwortung für die Umwelt gelernt“, sagte Ferhan stolz. Der Film wurde bereits im Künstlerhaus und im Wattenmeer-Besucherzentrum gezeigt und stieß auf große Begeisterung. Ein weiteres Highlight war das Schreibprojekt „Briefe aus Cuxhaven“, bei dem Jugendliche mit Migrationsgeschichte ihre persönlichen Erlebnisse und Gedanken in Briefen niederschrieben. Entstanden ist eine berührende Broschüre, die eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig die Wege junger Menschen in Cuxhaven sind. „Jede Zeile trägt persönliche Gefühle, Träume und Sichtweisen in sich“, sagte Kursleiterin Ohlrogge bei der feierlichen Vorstellung. In ihren Briefen erzählen die Jugendlichen von Verlust, Hoffnung und Neuanfang. Amirali (17) aus dem Iran beschreibt, wie einsam er sich nach seiner Ankunft fühlte – bis er beim JMD Anschluss fand und nun vom Abitur und einem Informatikstudium träumt. Anastasiia (21) berichtet von Heimweh und Sprachbarrieren, aber auch von der großen Unterstützung, die sie in ihrer Gastfamilie erlebte. Besonders bewegend ist die Geschichte der 14-jährigen Fartun, die ihren glücklichsten Tag schildert – den Moment, als sie nach Jahren der Trennung endlich ihre Familie aus Mogadischu wieder in die Arme schließen konnte. Dmytro erzählt, wie ihm Spaziergänge in der Natur halfen, wieder inneren Frieden zu finden, während Anhelina mit Humor von Schule, Freundschaft und Zukunftsplänen berichtet. „Briefe aus Cuxhaven“ ist damit mehr als eine Broschüre – es ist ein Fenster in die Lebenswelten junger Menschen, die in Cuxhaven eine neue Heimat gefunden haben. Und es ist eine Einladung an die Gesellschaft, genauer hinzuhören, zuzuhören und Brücken des Verständnisses zu bauen.

Bildunterschrift: Daria (l.) und Yelyzaveta (r.) beim jüngsten Theaterprojekt vom Letzten Kleinod Foto: Serhat Divrik

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