Eine technisch hochwertige Höranlage wird übergeben (v.l.): Ingo Kraft (Sprecher der Gruppe „Open Ohr“), Anne Bolte (Gruppengründerin und Organisatorin), Sabine Tscharntke (Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Cuxhaven) und Elke Ropers (Projektförderung AOK Niedersachsen). Foto: Paritätischer Cuxhaven

„Ich hör ja wohl nicht recht“ / Lesung von Nicolai Schlag und Höranlagen-Übergabe an den Paritätischen Cuxhaven

Cuxhaven. Mit einer eindrucksvollen Lesung und der offiziellen Übergabe einer neuen Höranlage an die Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Cuxhaven wurde am Donnerstag in der Stadtbibliothek  die Bedeutung sozialer Teilhabe für Menschen mit Hörschädigung in den Mittelpunkt gestellt. Autor Nicolai Schlag las vor 36 Zuhörerinnen und Zuhörern aus seinem Buch „Ich hör ja wohl nicht recht!“. Viele der Gäste leben selbst mit Hörschädigungen. Schlag schilderte humorvoll und zugleich bewegend seinen Alltag mit zwei Hörgeräten – von alltäglichen Missverständnissen bis zu großen Herausforderungen. Seine lebendige Erzählweise bot Anlass zu einem intensiven Austausch über die Probleme, mit denen Hörgeschädigte im Alltag konfrontiert sind.

Im Rahmen der Veranstaltung übergab die AOK Niedersachsen eine neue, technisch hochwertige Höranlage an Sabine Tscharntke von der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Cuxhaven. Die Anlage arbeitet mit Mikrofonen und individuellen Empfängern und unterstützt nahezu alle gängigen Hörgeräte und Cochlea-Implantate. Sie steht künftig Selbsthilfegruppen und gemeinnützigen Einrichtungen in Cuxhaven für barrierefreie Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung. Die Selbsthilfegruppe „Open Ohr“, gegründet vor elf Jahren von Tierärztin Anne Bolte, war maßgeblich an der Veranstaltung beteiligt. Bolte selbst lebt seit Kindheit mit einer Hörschädigung und kennt die Herausforderungen gut. In ihrer Gruppe finden Menschen zwischen 21 und über 80 Jahren Unterstützung, Austausch und technische wie emotionale Hilfen. Bolte betont, dass Hörschädigung weit mehr bedeutet als eingeschränktes Hören. Für viele sei Kommunikation Hochleistungssport. In öffentlichen Räumen ist es oft ein Kampf, alles zu verstehen. Die neue Höranlage sei ein wichtiger Schritt, um Barrierefreiheit auch im akustischen Bereich zu ermöglichen – etwas, das in Cuxhaven bislang nur selten vorhanden sei.

Auch Sabine Tscharntke als Vertreterin der Selbsthilfekontaktstelle begrüßt die neue Ausstattung: Sie ermögliche Veranstaltungen ohne zusätzliche Belastung für hörgeschädigte Menschen und sei ein wichtiger Baustein für mehr Inklusion in der Stadt. Die Veranstaltung hat gezeigt, wie wichtig technische Unterstützung, offene Gespräche und öffentliche Sensibilisierung sind. Für Cuxhaven ist dies ein bedeutender Schritt hin zu mehr Barrierefreiheit – und zu einem besseren Verständnis für die Lebensrealität hörgeschädigter Menschen.

Bildunterschrift: Autor Nicolai Schlag las in der Cuxhavener Stadtbibliothek aus seinem Buch “Ich hör ja wohl nicht recht!”

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