Cuxhaven. Der Paritätische Cuxhaven setzt sich für eine chancengerechte Teilhabe von Migrantinnen und Migranten ein und fordert eine stärkere Unterstützung der Migrationsberatung. Bei der 33. Migrationsfachtagung in der katholischen Akademie Stapelfeld betonte die niedersächsische Staatssekretärin Dr. Christine Arbogast die Notwendigkeit, Zuwanderung als Chance zu sehen und kritisierte geplante Bundesmittelkürzungen für Integration und Migrationsberatung. Sie unterstrich: „Der Fachtag trägt maßgeblich dazu bei, die relevanten Stellen in Niedersachsen zu vernetzen und ein humanes Migrationsklima zu fördern.“ Arbogast appellierte an den Bund, die geplanten Kürzungen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro zurückzunehmen, um die Integration zu sichern.
Der Paritätische Cuxhaven war mit Carola Jordan (Migrationsberatung Neustart Cuxhaven), Masumeh Suleimani Siboni (Café Vielfalt Cuxhaven) und Tomke Hansmann (Migrationsberatung Neustart Hagen) vertreten. Die Fachtagung bot zahlreiche Vorträge und Workshops zu aktuellen Themen wie dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) und der Zuwanderung von Fachkräften.
Pari-Mitarbeiterin Tomke Hansmann von der Migrationsberatung Neustart Hagen fand es inspirierend, die wissenschaftliche Perspektive auf Migration zu erleben: „Besonders beeindruckend war der Vortrag von Dr. Wido Geis-Thöne vom Institut der deutschen Wirtschaft. Er machte deutlich, wie stark Deutschland auf Zuwanderung angewiesen ist, um Wohlstand und Sozialstaat zu erhalten. Leider zeigt unsere Praxis, dass Geflüchtete in der Ausbildung zu wenig gefördert werden. Hier werden Chancen vertan.“ Carola Jordan von der Migrationsberatung Neustart in Cuxhaven ergänzte: „Es gab ausreichend Raum für fachliche Diskussionen und kollegialen Austausch, was für unsere Arbeit enorm wertvoll ist. Diese Vernetzung hilft uns, aktuelle Herausforderungen besser zu bewältigen.“
Deutlich wurde, dass sich die Debatte und Stimmung rund um Flucht und Zuwanderung in den vergangenen Monaten abermals verschärft haben, sowohl auf deutscher als auch europäischer Ebene. Das zog sich als Tenor durch beide Tage und hat auch Auswirkungen auf Beschäftigte in der Flüchtlings-/Migrationsberatung. „Es gab Kolleg*innen, die inzwischen auch im privaten Umfeld sehr genau abwägen, was und wem sie etwas über ihre Arbeit erzählen“, mahnt Carola Jordan. Deutlich gemacht hat das auch Stefan Keßler vom Jesuiten Flüchtlingsdienst Deutschland, der davor warnte, die Begriffe „Flucht“ (i. d. R. spontane, aus einer akuten Notlage entstehende Migration) und „Zuwanderung” (geplante und gewollte Migration) synonym zu gebrauchen und zwischen „nützlicher“ und „unnützlicher“ Einwanderung zu unterscheiden.
Der Paritätische Cuxhaven bleibt ein aktiver Motor der Migrations- und Integrationsarbeit in der Region. Die Fachtagung zeigte einmal mehr, wie wichtig der Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis ist, um nachhaltige Lösungen für die Integration zu entwickeln und die Teilhabe aller Menschen zu stärken.


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