Die Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung hatte sich im Vorfeld für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit guten Leistungen gezeigt.
Die Innenministerin des Landes Niedersachsen, Daniela Behrens sprach dafür ein großes Dankeschön aus und lud zu einem Besuch der Landesregierung in Hannover ein.
Frühmorgens um 6:30 Uhr traf sich die Zahl der BesucherInnen am Dorfgemeinschaftshaus Wingst, um die Busfahrt nach Hannover zu starten.
Die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk und Ruhezeiten wurden mit ihren Pausen genutzt, um das gemeinsame Frühstück kostengünstig im Bus durchzuführen. Die witterungsbedingten Hemmnisse konnten so improvisatorisch in gewohnter Manier umgangen werden. Gut. Angekommen in Hannover nach smarter Parkplatzauswahl stiegen alle über die Treppen des Hannoveraner Schlosses in das Foyer der Landesregierung. Der Besuchsdienst begrüßte die Angereisten freundlich, um einen informativen Kurzfilm mit dem Thema Landesregierung, Aufgaben, Funktion und Prozedere zu zeigen. Parteien hatten darin die Möglichkeit zur persönlichen Vorstellung, auch die AfD zeigte sich von der vermeintlich besten Seite, was in anschließender Diskussion eher kritisch beurteilt wurde.
Danach ging es zum Plenarsaal. Hier wurde die Geschichte der Entstehung und Umsetzung des baulich aufwendigen Projektes erläutert. Man sei stolz darauf, im Zeitplan geblieben zu sein und auch die Kosten bewegten sich im tolerablen Rahmen-in heutiger Zeit anderswo eher selten. Auch das Prozedere und die Sitzordnung des Plenums wurden ausführlich besprochen. Das Gestühl sei aber variabel, denn man wisse nicht, wie sich in Zukunft die Struktur in der Parteienlandschaft verändere. Am Besuchstag war es aber in dem Gebäude der Landesregierung fast leer. Die vorherige Sitzung sei außerplanmäßig früh zu ihrem Ende gekommen. Vor allem aber die außenpolitisch unerwarteten Vorkommnisse, der Krieg zwischen Israel und den Terrorkräften der Hamas, hätten Wirkung gezeigt. Alle, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, seien zutiefst erschüttert, zeigten aber uneingeschränkte Solidarität der Opfer dieses barbarischen Angriffs.
Für die anschließende politische Diskussion stellten sich der Landtagsabgeordnete Claus Seebeck von der christlich-demokratischen Union und Tim Wook von der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zur Verfügung. Sie zeigten menschliche Ansprechbarkeit und angenehmes Verständnis zum respektvollen Verhalten und der Fähigkeit, einander zuzuhören.

Es wurde auch in der gemeinsamen Diskussion deutlich angesprochen, die Gefährdung der demokratischen Grundordnung durch links oder vor allem rechts extremistische Kräfte müsse zwingend unterbunden werden. Warum zeigt ein Großteil der Bevölkerung kein Vertrauen in die großen Parteien?
In diesem Zusammenhang fielen Begriffe, wie Planungssicherheit, Zuverlässigkeit und Transparenz. Auch die Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Parteien erfordere eine respektvolle, konstruktive, sachlich orientierte Vorgehensweise-nicht Medien wirksame polemische Effekthascherei, um sich gegenseitig im Ansehen zu schaden und daraus politisches Kapital zu schlagen.
Die Diskussion führte durch verschiedene Themen augenblicklicher Aktualität. Die große Frage nach der Einführung eines sozialen Dienstes, respektive dem Dienst an der Waffe, oder auch energiepolitische planerische Strategien, wie zum Beispiel in unserer Region, die Verknüpfung von Windkraft und Wasserstofftechnologie als Speichermedium wurden angeschnitten. Und immer wieder erfolgte letztendlich die Feststellung, dass überbordende Bürokratie vielerorts das Hemmnis risikobereiter Investoren darstelle.
Aber nicht alle Aktionen der vergangenen Monate sind der Landesregierung negativ anzuschreiben. Die zügige Einrichtung der LNG-Terminals sei nur ein Beispiel dafür, dass es auch anders gehe.
Ein anderer Vorschlag aus der Besuchergruppe behandelte die finanzielle Versorgung nicht berufstätiger Menschen. Es könne nicht sein, dass sich aktive Arbeit nicht mehr lohne, weil erhaltene Fürsorgeaufwendungen Zuhause bleibender den Nettoverdienst Berufstätiger überstiegen. Hier kam der Vorschlag, partiell von finanziellen auf Sachleistungen umzusteigen, um zum Beispiel auch Kindern in den Schulen interne Diskriminierungen zu ersparen. Des Weiteren wurden die Diskrepanzen zwischen Naturschutz, Windkraftanlagen, Fotovoltaik und ineffizienter Maßnahmen infolge des vorhandenen Waldes an Vorschriften, die an sinnvoller Nutzung vorbeiführten, beispielhaft erwähnt.

Nach einer lockeren, aber offen geführten Gesprächsrunde verabschiedete man sich. Herzlich-vielen Dank, Frau Innenministerin, Daniela Behrens und auch ein großes Dankeschön an den Besucherdienst der Landesregierung und die zeitlich sehr stark in Anspruch genommenen Abgeordneten Tim Wook und Claus Seebeck.
Der Abspann dieser informativen Veranstaltung bildete die Einkehr in den Landgasthof Seebeck, Flögeln. Und auch dort kamen aktuelle Probleme zur Sprache, eben die Themen des alltäglichen Lebens.
Es wäre sehr schwierig, motivierte, ausbildungswillige und belastbare Nachwuchskräfte zu bekommen. Die Generation der älteren Menschen, die eigentlich den Ruhestand verdienten, zeige, dass es außer Geld verdienen, auch andere Punkte gäbe, die zur Arbeit motivierten. Die Liebe zum Beruf und die Freude des eigenen Gestaltens, mit eigener Leistung etwas aufzubauen, vor allem für die Familie mache stolz und das auch in schwierigen Zeiten. Geld sei nicht alles-wichtig bleibe, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, den positiven Blick auf die Zukunft zu bewahren.
Die Reservisten Kameradschaft Wingst fuhr zufrieden nach Hause.
Nach vielen guten Gesprächen und auch neuen Mitgliedern, die sich offenbar wohlfühlten, lässt sich nur sagen: weiter so.

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