Cuxhaven. Wieder einmal präsentiert der Captain Ahab’s Culture Club mit der Band „Pojaz!“ ein weiteres Beispiel seiner großen und hervorragenden Vielfalt. Diese Band traf den Charakter der Klesmer-Musik auf perfekte und nicht nur anrührende Weise. Sie drücken musikalisch genauso jüdischen Humor und Lebendigkeit aus. Das Publikum betrachtete das gerne als Aufforderung zum Tanzen.
Auffallend, beeindruckend und die unterschiedlichsten musikalischen Möglichkeiten schaffend, ist die instrumentelle Vielfalt der einzelnen Musiker. Nur ein Beispiel: Jemanden, der auf diesem hohen Niveau sowohl Schlagzeug als auch Posaune spielen kann, habe ich noch nicht erlebt. Und Carsten Koll beweist mit seinem Spiel auf dem Sopran- und Alt-Saxofon, dass Klesmer sehr überzeugend und von Spielfreude getragen auch ohne Klarinette begeistern kann. Mit seinen rasanten Läufen und jauchzenden hohen Tönen trifft er genau den Charakter dieser Musik. Bewundernswert ist festzustellen, dass dies für alle Musiker gilt. Die zu der Klesmer Musik ideal passende Stimme von Kersten Welm gibt einem bei geschlossenen Augen das Gefühl, mitten in einem jüdischen Dorf in Galizien zu sein. Perfekt ergänzt wird die musikalische Vielfalt durch Volker Peschel-Abrat, der bei passenden Stücken seinen Kontrabass mit dem Akkordeon tauscht. Getragen werden die Melodieinstrumente und der Gesang durch das so feinfühlig gespielte Schlagzeug von Michael Flaig, der gelegentlich den oft Rhythmus gebenden Kontrabass durch die Vielfalt seiner Schlaginstrumente unterstützt.
Natürlich durfte das aus einem jüdischen Musical stammende Lied „Bei mir bist Du schön“ nicht fehlen. Auch hierbei mit einer von mir bisher nicht gehörten eigenen Art und Weise. Zudem wurde „Pojaz!“ der Vielfalt des Klesmer gerecht. So hörte man nicht nur die bekannteren Stücke aus dem früheren Galizien. Ebenso erklangen die wunderschönen Lieder der sephardischen Juden, die sich nach der Vertreibung aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderts im 20. Jahrhundert (nach der vierten und endgültigen Abschaffung der Inquisition) wieder schrittweise im Süden Spaniens ansiedelten. So konnte man nicht nur die besondere musikalische Stimmung mit nach Hause nehmen. Sondern ebenso Gedanken an das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen.

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