Foto: Rita Helmholtz und Filmverleih

Historischer Kornspeicher Freiburg/Elbe: Speicherkino

Speicherkino

SA 17.02.2024 | 19:30 UHR | 8,00 €

SOPHIA, DER TOD UND ICH

Charly Hübner holt als Regisseur dieser fantastisch-fiktionalen Story die Zuschauer auf jeder Ebene des Buches von Thees Uhlmann ab. “Sophia, der Tod und ich” ist eine exakt austarierte Mischung aus Komödie, Tragödie und Roadmovie.

2015 veröffentlichte der Musiker Thees Uhlmann seinen ersten Roman “Sophia, der Tod und ich”. Es ist die skurrile Geschichte eines jungen Mannes, der ganz plötzlich an einem Herzfehler sterben soll, aber noch etwas Zeit geschenkt bekommt, weil der Tod Schwierigkeiten mit der Ausführung seines Auftrages hat. Acht Jahre nach dem Autorendebüt von Uhlmann das gleichnamige Regie-Spielfilmdebüt des Schauspielers und Dokumentarfilmers Charly Hübner.

(von Bettina Peulecke/NDR)

Wenn der Tod immer mit dabei ist

Der Schauspieler Dimitrij Schaad, in der Rolle des Reiner, öffnet die Tür einer Berliner Altbauwohnung mit ähnlich entspannter Körperhaltung und vergleichsweise desinteressierter Freundlichkeit, wie er das schon in den “Känguru-Chroniken” getan hat. Nur dass dieses Mal kein sprechendes Beuteltier vor seiner Nase steht, um ihm auf die Nerven zu gehen, sondern ein Typ im schwarzen Anzug mit schneeweißem Gesicht:

Reiner: “Kann ich helfen?”

Sein Tod: “Eigentlich können Sie mir nicht helfen. Ich bin ihr Tod und Sie müssen jetzt mitkommen.”

Reiner: “Ah, ja, dann warten Sie kurz, ich pack’ schnell meine Sachen und bin gleich da.”

Irgendwann hört der Spaß schließlich auf. Allerdings scheint die Sache ernster zu sein als gedacht, als besagter Tod – offenbar nicht an diesseitige, physikalische Gesetze gebunden – trotz verschlossener Türen wenig später in Reiners Badezimmer auftaucht und ihn wiederholt davon in Kenntnis setzt, dass es gleich vorbei sei.

Dann aber passieren unvorhergesehene Dinge: Der Drei-Minuten-Plan gerät in Verzug und Reiner bekommt noch ein bisschen Zeit. Die wird unter anderem dazu genutzt, um mit Sophia, seiner Ex-Freundin, zum Geburtstag seiner Mutter zu fahren. Sein Tod, der sich den anderen als Morten vorstellt, ist immer mit dabei.

“Sophia, der Tod und ich”: Hübners Regiedebüt feiert Premiere

Mit “Sophia, der Tod und Ich” feiert Charly Hübner sein Regiedebüt – in einer Nebenrolle ist er auch vor der Kamera zu sehen.

Nachdem sich Charly Hübner das Buch gekauft hatte, stand für ihn schnell fest: “Nach der ersten Szene – Morten an der Tür, Morten im Badezimmer – war es für mich klar, dass ich das erzählen möchte, dass ich das gerne probieren will, diese ‘abstruse’ Setzung zu inszenieren. Auch alles andere, was dann passiert: diese Querverweise, ‘Star Wars’, dann ist man auf einmal bei der Mutter in so einer norddeutschen Kleinbürgerlichkeit, dann dieses Roadmovie mit einem sehr langsamen Auto – da gab es viel zu holen.”

Und Charly Hübner, als Schauspieler vielfach ausgezeichnet und auch in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, als Dokumentarfilmer schon erprobt, holt auch als Regisseur dieser fantastisch-fiktionalen Story die Zuschauer auf jeder Ebene des Buches ab.

Darüber hinaus hat er kluge und mitreißende inszenatorische Einfälle, die nachhallende Bilder hervorbringen: Etwa einen Kiosk mit Kaurismäki-Flair, an dem sich zur Geisterstunde illustre Gestalten treffen: “Dieser Kiosk ist wie ein Marvel’sches Portal und alle, die dort ankommen, sind in so einem beseelten Rauschzustand. Die Menschen, die dort stehen, sind ja keine Menschen, sondern Todesboten, die unterschiedliche Charaktere in sich tragen und je nach charakterlicher Ausprägung das Sterben gestalten.”

Multitalent Charly Hübner – Ein Typ wie ein Ausrufezeichen!

Ob Theater, Regie oder Film: Der Schauspieler ist ein Publikumsliebling. Der 50-Jährige spielt aktuell in der Serie “Legend of Wacken”.

Amüsant-berührender Film mit großartigen Schauspielern

Es ist eine starke Mischung aus urkomischen Momenten und tiefer Traurigkeit. Eine ziemlich heftige Nummer, die viele auch ablehnen, wie Thees Uhlmann sagt. Der Autor hat unterschiedliche Reaktionen auf seinen Roman bekommen: “Ich habe E-Mails bekommen, in denen Leute mir geschrieben haben, dass sie das Buch der Mutter auf der Palliativ-Station vorlesen und die Mutter lacht und sagt: ‘Genau so ist der Tod!’ Ich habe da also ganz schön was hinbekommen.”

Und Charly Hübner hat es mit seiner exakt austarierten Mischung aus Komödie, Tragödie und Roadmovie auch hinbekommen, einen amüsant-berührenden, wunderbaren Film mit großartigen Schauspielern wie Marc Hosemann als naiv-neugierigem Todesbringer, Anna Maria Mühe als Ex-Freundin oder Lina Beckmann als Erzengel Michaela stimmig zu besetzen.

Und anders als seine Kollegen Frank Schätzing oder Rita Falk, die mit den Verfilmungen ihrer Romane “Der Schwarm” oder des letzten Eberhofer-Krimis “Rehragout-Rendezvous” überhaupt nicht zufrieden waren, sagt Thees Uhlmann: “Ich bin da anderer Meinung als die Rita – meine Verfilmung ist voll geil geworden.”

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Der Förderverein Historischer Kornspeicher Freiburg Elbe hat den Getreidespeicher aus dem Jahre 1742 2004 erworben und bis 2014 restlos saniert. Seit Herbst 2014 betreibt der Verein das Gebäude als soziokulturelles Zentrum, in dem die Menschen der Region Gelegenheit finden Kultur anzubieten oder zu erleben. Das Programm zeichnet sich durch viele Angebote aus, die den Gästen Gelegenheit bieten miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit dem soziokulturellen Angebot füllt der Kornspeicher Lücken, die in den letzten Jahrzehnten durch die Veränderungen in den Vereinsstrukturen, Schließung von Gasthäusern und Reduzierung kirchlicher Begegnungsmöglichkeiten entstanden sind. Zu den Satzungszielen des Vereines zählen neben Vorhaltung eines Kulturangebotes der Erhalt und die Pflege eines Baudenkmales, Pflege von regionalen Traditionen und ein Bildungsauftrag für alle Generationen. In der außerschulischen Bildungsarbeit hat das jährliche Sommerbildungsangebot "Kinder-Uni-Freiburg-Elbe" einen ganz besonders bedeutenden Stellenwert. Der Kornspeicher versteht sich mit seinem Angebot als Haus der Region.

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