Balje. Am 3. Januar 1976 trifft das Orkantief „Capella“ auf die Nordseeküste und drückt das Wasser in die Elbe und gegen die Deiche. Die teils über 100 Jahre alten Bollwerke können der bis dato höchsten gemessenen Sturmflut nicht überall standhalten. Wasser strömt weit ins Hinterland und richtet immensen Schaden vor allem in Kehdingen und in der Haseldorfer Marsch an. Die neue Sonderausstellung „Sturmflut 1976 – eine Region erinnert sich“ im Natureum Niederelbe, die ab Sonntag, 22. März für Besucher geöffnet ist, blickt auf die Ereignisse von vor 50 Jahren zurück. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Wetterlage? Könnte so etwas heute wieder passieren?

Das Natureum entführt die Gäste in der neuen Sonderausstellung stilecht in die Zeit vor 50 Jahren. Foto: Jothe/Natureum
Mit dem Betreten der Sonderausstellungshalle werden die Gäste in die 1970er Jahre zurückversetzt – von der passenden Tapete bis zum orangefarbenen Telefon mit Wählscheibe. Wetterkarte der Tagesschau. Es geht vom Seewetteramt Hamburg, wo die Prognosen stündlich dramatischer werden, in das Wohnzimmer eines Hauses an der Küste, wo sich die Bewohner auf die Flut vorbereiten, bis in das Lagezentrum des Krisenstabes und an den Deich, der zu brechen droht. Anhand von Originalaufnahmen, Erinnerungen und natürlich von Exponaten aus der damaligen Zeit berichten Zeitzeugen über die Bewältigung einer Katastrophe ganz ohne Handys, Navigationsgeräte und Internet – heute insbesondere für die jungen Gäste wahrscheinlich unvorstellbar. Doch auch in der heutigen Zeit bleibt die Herausforderung Küstenschutz bestehen. Die Zeitreise endet daher nicht mit der Schadensbewältigung und der Reparatur der Deiche, sondern mit einem Blick in die Zukunft, wo der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg die Bewohner der Küstengebiete vor ganz neue Herausforderungen stellen werden.

Während der Flut 1976 strömte das Wasser weit in das Hinterland und blieb dort zum Teil wochenlang stehen. Foto: Marx
„Die Frage ist nicht, ob eine solche Flut wieder auftreten könnte, sondern wann“, sagt Lars Lichtenberg, Geschäftsführer des Natureums, der die 76er Flut als Vierjähriger auf dem elterlichen Hof am Kehdinger Deich hautnah miterlebte. „Wassermassen, die über den Deich strömten, zahlreiche Helfer und das Gefühl der Ungewissheit, was mit den Bewohnern der tiefer gelegenen Moorgebiete passiert, sind Erinnerungen, die sich in das Gedächtnis der Zeitzeugen eingebrannt haben.“

Die Flutkatastrophe beherrschte die Titelseiten der regionalen und überregionalen Presse. Foto: Jothe/Natureum
Das Natureum öffnet ab 22. März dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

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