Otterndorf. Im Monat der unzähligen Dokumentationen, Kommentierungen und Berichte zum Stand der deutschen Einheit – ob oder wie lange noch nicht, … – möchte “Lichtblick in Otterndorf” das Kino-Publikum mit einem cineastischen Beitrag zum Thema unterhalten und gleichzeitig zu ein paar kleinen Gedankenschleifen einladen à la: Was wäre gewesen, wenn … das oft Gedachte, Vorgestellte einfach mal umgesetzt worden wäre?
Wolfgang Becker war einer der bekanntesten und beliebtesten Filmregisseure in Deutschland. Seinen Durchbruch hatte der Wahl-Berliner im Jahr 2003 mit der Wende-Komödie “Good Bye, Lenin!”, einem Film, den die britische Times damals als “witzigsten deutschen Film seit einem Jahrhundert” bezeichnet hat. Da passt es also gut, dass auch Beckers letzter Film wieder eine deutsch-deutsche Komödie ist.
“Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße”, abgedreht kurz vor dem Tod des Regisseurs im Dezember 2024, greift die fiktive Geschichte des ehemaligen Reichsbahners Micha Hartung (Charly Hübner) auf. Der soll in einer Sommernacht im Jahr 1984 die größte Massenflucht der DDR organisiert haben, indem er eine Weiche umgestellt und so eine S-Bahn mit 127 Menschen in den Westen umgeleitet hat.Das Problem ist nur: Micha Hartung kann sich an diese Heldentat gar nicht erinnern. Er hat zwar tatsächlich die Weiche umgestellt, hat dafür auch mal zwei Tage im Gefängnis verbracht – im Grunde war das Ganze aber nur ein dummes Missverständnis, weswegen ihn die Stasi damals auch schnell wieder freigelassen hat.
Becker und sein Co-Autor Constantin Lieb haben hier einen Roman von Maxim Leo adaptiert. Herausgekommen ist eine Hochstaplergeschichte und ein weiterer Film, der sich mit polemischen Spitzen in jüngere Diskurse zur Erinnerungskultur und zu dominierenden Sichtweisen auf Ostdeutschland einmischt.
Mit hintersinnigem Humor beleuchtet Becker die Fallstricke der Geschichtsschreibung und entwirft ein Szenario, in dem ein DDR-Dissident (Thorsten Merten) und ein Stasi-Offizier (Peter Kurth) zu heimlichen Komplizen werden.
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße steckt voller Witz und fieser Spitzen gegen die Gesellschaft und den Kulturbetrieb. Dank Charly Hübner, der dem Anti-Helden etwas zutiefst Charmantes verleiht, und Schauspielerinnen wie Christiane Paul, Leonie Benesch und Eva Löbau ist zugleich ein sehr empathischer Film entstanden – und ein würdiges Vermächtnis eines bedeutenden Regisseurs.
Am Mittwoch, dem 14. Oktober, ab 20:00 Uhr läuft der Film aus dem Jahr 2024 in der Otterndorfer Stadtscheune. Weitere Informationen, Vorbestellungen unter 04751 – 4700.



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